Projekte und Kunden führen
Die meisten Konflikte entstehen nicht im Projekt, sondern in dem, was vorher nicht geklärt wurde.
Schlecht laufende Projekte haben selten technische Ursachen. Sie haben fast immer dieselbe: niemand hat aufgeschrieben, was genau geschuldet ist. In Deutschland beginnt diese Klärung bei einer Weggabelung, die viele nicht bemerken — und die über deine Haftung entscheidet.
Dienstvertrag oder Werkvertrag: was du eigentlich schuldest
| Dienstvertrag | Werkvertrag | |
|---|---|---|
| Grundlage | § 611 BGB | § 631 BGB |
| Du schuldest | ein Tätigwerden — deine Arbeitsleistung | einen Erfolg — das fertige Werk |
| Bezahlt wird | die geleistete Zeit | das abgenommene Ergebnis |
| Risiko bei Scheitern | beim Kunden | bei dir |
| Mängelhaftung | keine Gewährleistung im engeren Sinn | Nacherfüllung, Minderung, Schadensersatz |
Die Zuordnung folgt dem Inhalt der Abrede, nicht ihrem Titel. Ein Vertrag mit „Beratungsvertrag" in der Überschrift, der ein fertiges Produkt und dessen Abnahme beschreibt, ist ein Werkvertrag. Wer nach Tagessatz abrechnet und zugleich ein Ergebnis garantiert, hat sich für die schlechteste Kombination aus beiden entschieden: die Bezahlung des einen, das Risiko des anderen.
Die Leistungsbeschreibung: was hinein gehört, was heraus
Der teuerste Satz in einem Angebot ist der, der fehlt. Vier Punkte entscheiden im Streitfall:
- Was NICHT dabei ist. Die Negativabgrenzung schützt besser als jede Aufzählung — sie ist der einzige Weg, „das war doch selbstverständlich" zu beantworten.
- Wie viele Korrekturschleifen enthalten sind, und was jede weitere kostet. Ohne Zahl ist die Antwort „unbegrenzt".
- Woran Fertigstellung erkennbar ist. Bei einem Werkvertrag hängt daran die Abnahme — und an der Abnahme die Fälligkeit deines Honorars.
- Was der Kunde beisteuern muss und bis wann: Zugänge, Inhalte, Ansprechpartner. Verzögert er, verschiebt sich dein Termin nicht von selbst — es sei denn, ihr habt es vereinbart.
Nachforderungen: nicht ablehnen, sondern bepreisen
Der schleichende Zuwachs ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Ihn abzulehnen macht dich schwierig; ihn hinzunehmen macht dich unbezahlt. Die dritte Antwort ist die einzige tragfähige: jede Erweiterung bekommt einen Preis und einen Termin, schriftlich, bevor sie beginnt.
Die Formulierung, die den Ton rettet. Nicht „das war nicht vereinbart", sondern „das mache ich gern — es kommt dazu, hier ist der Aufwand und der neue Termin". Der Inhalt ist derselbe; nur der zweite Satz behandelt den Kunden als jemanden, der entscheidet, statt als jemanden, der ertappt wurde.
Die Abnahme beim Werkvertrag: der Moment, den man verpasst
Beim Werkvertrag hängt fast alles an der Abnahme: mit ihr wird die Vergütung fällig, mit ihr beginnt die Verjährung von Mängelansprüchen, und mit ihr geht die Beweislast auf den Kunden über. Solange sie nicht erklärt ist, bleibt das Projekt in der Schwebe — auch wenn längst alles geliefert wurde.
Deshalb gehört sie in den Ablauf und nicht ans Ende der Hoffnung. Eine Frist zur Abnahme im Angebot, verbunden mit der Feststellung, dass das Werk nach Ablauf als abgenommen gilt, wenn keine Mängel benannt werden, verhindert den häufigsten Zustand: das fertige Projekt, über das niemand mehr spricht und für das niemand mehr zahlt.
Der Kunde, der „noch schaut", schaut oft monatelang. Das ist selten böse Absicht — es ist schlicht keine Priorität, solange nichts daran hängt.
Dokumentieren, während es noch harmlos ist
Der Reflex, der die meisten Streitigkeiten vermeidet, kostet fünf Minuten: nach jedem Gespräch, in dem etwas entschieden wurde, eine kurze Bestätigungsmail. Kein Protokoll, drei Sätze — was besprochen wurde, was daraus folgt, bis wann.
Sie wirkt zweifach. Sie klärt sofort, wenn die beiden Seiten dasselbe Gespräch verschieden verstanden haben, und das ist häufiger, als es sich anfühlt. Und sie ist später der einzige Beleg dafür, wann etwas dazukam — geschrieben zu einem Zeitpunkt, an dem niemand einen Grund hatte, sich zu positionieren.
Wer erst zu dokumentieren beginnt, wenn es knirscht, dokumentiert erkennbar gegen jemanden. Wer es immer tut, dokumentiert nur.
Zahlungsziele und der Moment, in dem du aufhörst
Bei laufenden Projekten sind Abschlagszahlungen das wirksamste Mittel: sie begrenzen deinen Ausfall auf einen Abschnitt statt auf das ganze Projekt, und sie machen ein Zahlungsproblem früh sichtbar, solange du noch Verhandlungsmasse hast.
Zahlt der Kunde nicht, läuft der Verzug — im Geschäftsverkehr mit einem Zuschlag von 9 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz. Wichtiger als der Zins ist aber die Frage, wann du die Arbeit einstellst: weiterzuarbeiten, während offene Rechnungen liegen, vergrößert nur den Betrag, um den gestritten wird. → Wie man Forderungen durchsetzt
Der Nebeneffekt, der die Struktur betrifft
Wie du ein Projekt organisierst, wirkt auf mehr als das Projekt. Feste Arbeitszeiten beim Kunden, dessen Geräte, dessen Weisungen, ein einziger Auftraggeber über Jahre: das sind die Merkmale, an denen die Statusfrage hängt — und sie treffen deinen Auftraggeber härter als dich.
Ein sauber beschriebenes Werk, eigene Mittel und mehrere Kunden sind deshalb nicht nur kaufmännisch besser. Sie sind das, was deine Selbstständigkeit belegt. → Woran Scheinselbständigkeit hängt · → Vertrag und AGB für Freelancer · → Den Tagessatz verhandeln
Stand: 21.08.2026. Rechtsstand geprüft an den konsolidierten Texten von § 611 und § 631 BGB. Keine Rechts- oder Steuerberatung.