Was soll ich verlangen?

Zwei Zahlen, nicht eine: deine Untergrenze rechnest du aus, deine Position liest du ab.

Die Frage wird fast immer als eine einzige gestellt, und sie besteht aus zweien. Die Untergrenze hängt allein an deinen Kosten und deinen Arbeitstagen — sie ist eine Rechnung, keine Meinung. Die Position im Markt hängt an dem, was andere in deinem Feld tatsächlich bekommen. Wer nur die erste kennt, verkauft sich zu billig; wer nur die zweite kennt, unterschreibt Aufträge, die ihn Geld kosten.

1. Die Untergrenze: was ein Tag mindestens einbringen muss

Ein Tagessatz ist ein Bruttobetrag, aus dem alles bezahlt wird. Vier Posten stehen zwischen ihm und dem, was übrig bleibt:

PostenWas zu berücksichtigen ist
Krankenversicherung Als freiwillig Versicherter trägst du den Beitrag allein: allgemeiner Satz 14,6 % zuzüglich Zusatzbeitrag (im Schnitt 2,9 %), dazu die Pflegeversicherung mit 3,6 %. → GKV oder PKV
Altersvorsorge Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung liegt bei 18,6 % — ob du ihn zahlst oder privat vorsorgst, ändert nichts daran, dass der Posten existiert. → Altersvorsorge
Nicht fakturierbare Tage Urlaub, Krankheit, Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung. Der Posten, der am meisten unterschätzt wird: er verteilt deine Kosten auf weniger Tage und hebt damit die Untergrenze, ohne dass irgendwo eine Rechnung dafür ankommt.
Betriebsausgaben Arbeitsplatz, Geräte, Software, Versicherungen, Fahrten. → Was abziehbar ist

Die 19 % Umsatzsteuer gehören nicht dazu: sie sind durchlaufender Posten, nie dein Geld. → Untergrenze berechnen · → Vom Wunsch-Netto zum nötigen Tagessatz

2. Die Position: was der Markt zahlt

Aus 12.540 gemeldeten Tagessätzen in Deutschland, über alle Berufsfelder hinweg:

Unteres ViertelMedianOberes Viertel
610 € 751 € 910 €

Ein Gesamtwert über alle Felder ist ein Ausgangspunkt, kein Ziel. Die Spanne innerhalb eines Berufsfelds ist größer als der Abstand zwischen zwei Feldern — dein Wert steht im Barometer, nicht hier.

Der Fehler, der einen ganzen Auftrag entwertet. Nicht der zu niedrige Satz — die Anfahrt, die Bereitschaft, die Nacharbeit, die im Satz verschwinden. Zwei Anfahrten pro Woche machen aus einem guten Tagessatz einen mittelmäßigen, und sie stehen in keinem Angebot. Was nicht im Satz steht, gehört in die Verhandlung. → Was Fahrten steuerlich bringen — und was nicht

3. Wovon die Spanne tatsächlich abhängt

Was du in die Verhandlung mitnimmst. Nicht einen Satz, sondern drei Zahlen: die Untergrenze, unter die du nicht gehst; den Satz, den du nennst; und den Punkt, an dem du aussteigst. Wer nur die mittlere kennt, verhandelt gegen sich selbst. → Verhandlung vorbereiten

Stand: 21.08.2026. Marktzahlen aus den gemeldeten Tagessätzen dieser Seite, Beitragssätze geprüft an ihren amtlichen Quellen. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Mindest-Tagessatz?
Aus deinen Jahreskosten geteilt durch die Zahl der tatsächlich fakturierbaren Tage. Zu den Kosten gehören Krankenversicherung und Pflegeversicherung, die du als Selbstständiger allein trägst, die Altersvorsorge und die Betriebsausgaben. Nicht fakturierbare Tage — Urlaub, Krankheit, Akquise, Buchhaltung — heben die Untergrenze, weil sie dieselben Kosten auf weniger Tage verteilen.
Gehört die Umsatzsteuer zum Tagessatz?
Nein. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent ist ein durchlaufender Posten: du vereinnahmst sie für das Finanzamt und führst sie ab. Sie ist zu keinem Zeitpunkt Teil deines Einkommens.
Woran orientiere ich mich beim Marktvergleich?
An deiner Spezialisierung, nicht an deinem Berufsfeld: die Spanne innerhalb eines Feldes ist regelmäßig größer als der Abstand zwischen zwei Feldern. Ein Gesamtwert über alle Felder taugt als Ausgangspunkt, nicht als Ziel.
Sollte ich für lange Aufträge einen Nachlass geben?
Er ist vertretbar, weil ein langer Auftrag deine Akquisekosten senkt — aber er sollte gerechnet und nicht gefühlt sein. Der Nachlass darf die Ersparnis nicht übersteigen, sonst bezahlst du für die Sicherheit.