Versicherungen für Freelancer

Eine ist Pflicht, eine verlangt der Kunde — und die dritte fehlt fast allen, weil niemand daran erinnert.

Wer sich selbstständig macht, prüft die Krankenversicherung. Fast niemand prüft, was passiert, wenn er zwei Jahre lang nicht arbeiten kann. Diese Seite ist deshalb nach Konsequenz sortiert, nicht nach Bekanntheit.

Die drei Ebenen, in der Reihenfolge ihrer Wirkung

Absicherung Status Wer es verlangt
Krankheitskosten Gesetzlich Pflicht Jede Person mit Wohnsitz im Inland muss eine Krankheitskostenversicherung abschließen und aufrechterhalten (§ 193 Abs. 3 VVG).
Berufshaftpflicht Je nach Beruf Für einige Berufe berufsrechtlich vorgeschrieben. Für alle anderen: nicht das Gesetz, sondern der Rahmenvertrag des Kunden verlangt sie.
Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit Freiwillig Niemand. Genau darin liegt das Problem — siehe unten.

Krankenversicherung: kein Zusatz, sondern eine Weiche

Wer hauptberuflich selbstständig ist, unterliegt nicht der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 5 Abs. 5 SGB V). Das hebt die Pflicht, versichert zu sein, nicht auf — es verlagert nur die Entscheidung auf dich. Zwei Wege stehen offen, und der Wechsel zurück ist später schwer.

Freiwillig gesetzlich (GKV) Privat (PKV)
Beitrag richtet sich nach Einkommen. Allgemeiner Beitragssatz 14,6 %, ermäßigt 14,0 % (ohne Krankengeldanspruch), zuzüglich kassenindividuellem Zusatzbeitrag. Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif bei Vertragsschluss — nicht vom Einkommen. Ein Jahr mit wenig Umsatz senkt den Beitrag nicht.
Familie Beitragsfreie Familienversicherung möglich. Jede Person zahlt einen eigenen Beitrag.
Selbstbehalt Nicht vorgesehen. Möglich, gesetzlich begrenzt auf eine Auswirkung von 5.000 € je Kalenderjahr (§ 193 Abs. 3 VVG).
Rückweg Beitritt binnen 3 Monaten anzuzeigen; Vorversicherung von 24 Monaten in 5 Jahren oder 12 Monaten unmittelbar davor (§ 9 SGB V). Eine Rückkehr in die GKV ist als hauptberuflich Selbstständiger regelmäßig nicht möglich. Die Entscheidung wirkt langfristig.

→ Beiträge und Mindestbemessung im Detail

Der Posten, den fast alle vergessen: das Krankengeld. Der ermäßigte Beitragssatz ist günstiger, weil er ohne Krankengeldanspruch kommt. Mit dem allgemeinen Satz beginnt der Anspruch erst ab der 7. Woche. Die Wochen davor trägt niemand — außer dir. Was in dieser Lücke passiert.

Berufshaftpflicht: der Vertrag verlangt sie, bevor das Gesetz es tut

Eine allgemeine Pflicht zur Berufshaftpflicht gibt es für Freelancer nicht. Für einige Berufe schreibt das Berufsrecht sie vor — Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Heilberufe. Für alle anderen kommt die Anforderung aus dem Rahmenvertrag des Kunden, und dort steht sie häufiger, als Freelancer erwarten: Konzerne und öffentliche Auftraggeber verlangen regelmäßig einen Nachweis vor der ersten Rechnung.

Praktische Reihenfolge, die einen unnötigen Vertrag spart: erst den Rahmenvertrag lesen, dann abschließen. Die geforderte Deckungssumme steht dort, und sie bestimmt den Tarif — nicht umgekehrt.

Die Lücke, die keinen Namen hat: Berufsunfähigkeit

Hier liegt der Unterschied, der einen Freelancer wirklich trifft. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist kein automatisches Netz: sie setzt die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren voraus (§ 50 SGB VI) und 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung (§ 43 SGB VI).

Die meisten Selbstständigen zahlen keine Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung. Wer aus einer Anstellung kommt, erfüllt die Bedingung anfangs noch — und verliert sie schleichend, sobald die letzten Pflichtbeiträge mehr als 5 Jahre zurückliegen. Kein Bescheid weist darauf hin. Der Anspruch erlischt an einem Datum, das niemand nennt.

→ Wann freiwillige oder Pflichtbeiträge sinnvoll sind · → Arbeitslosenversicherung auf Antrag

Die Rechnung, die diese Seite ersetzt. Rechne nicht den Monatsbeitrag gegen dein Budget, sondern gegen den Ausfall: wie viele Monate hältst du ohne Einnahmen durch? Liegt die Antwort unter zwölf, ist die Absicherung kein Zusatzposten, sondern Teil deines Tagessatzes. Was von deinem Tagessatz übrig bleibt zeigt, wie viel davon schon verplant ist.

Berufshaftpflicht: zwei Wege, online abzuschließen

Anders als bei Krankenversicherung und Berufsunfähigkeit ist die Berufshaftpflicht ein vergleichbares Produkt: gleiche Risikoart, gleiche Deckungslogik, Abschluss ohne Gesundheitsprüfung. Deshalb werden hier Anbieter genannt — und weiter unten bewusst nicht.

Anbieter Zugeschnitten auf Einstieg
exali IT- und Medienfreelancer; Vermögensschäden, Datenschutz- und Cyber-Eigenschäden zubuchbar ab 125,46 € netto/Jahr Ansehen →
andsafe Beratende und planende Tätigkeiten; Betriebs- und Vermögensschadenhaftpflicht getrennt abschließbar Beitrag erst im Antrag Ansehen →

Am 20.08.2026 bei den Anbietern abgelesen. exali nennt 125,46 € netto als Einstieg und rund 506 € netto als Durchschnittsbeitrag — die Spanne zeigt besser als jede Werbeaussage, wovon der Beitrag abhängt: Umsatz, Selbstbehalt, Zusatzbausteine. andsafe veröffentlicht keinen Einstiegsbeitrag; er ergibt sich erst aus dem Antrag.

Worauf es beim Vergleich ankommt — und nicht auf den Monatsbeitrag: ob reine Vermögensschäden gedeckt sind (bei Wissensberufen der Regelfall des Schadens, und genau der, den eine gewöhnliche Betriebshaftpflicht ausschließt), wie hoch die Deckungssumme im Verhältnis zum größten Kundenprojekt liegt, und ob die Tätigkeit im Antrag korrekt beschrieben ist. Eine falsch angegebene Tätigkeit ist der häufigste Grund, aus dem ein bestehender Vertrag im Schadensfall nicht greift.

Warum hier keine Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung genannt wird. Beides ist kein vergleichbares Produkt. Eine BU entscheidet sich an der Gesundheitsprüfung und an den Ausschlüssen, nicht am Beitrag; der Wechsel zwischen GKV und PKV ist nach einigen Jahren faktisch nicht mehr umkehrbar. Für beides ist die richtige Adresse eine unabhängige Beratung, kein Vergleichslink.

Stand: 21.08.2026. Rechtsstand geprüft an den konsolidierten Texten von VVG, SGB V und SGB VI. Keine Rechts-, Versicherungs- oder Steuerberatung. Diese Seite kann Empfehlungslinks enthalten; sie sind als solche gekennzeichnet und ändern nichts am Preis.

Häufige Fragen

Muss ich mich als Freelancer in Deutschland krankenversichern?
Ja. Jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, eine Krankheitskostenversicherung abzuschließen und aufrechtzuerhalten (§ 193 Abs. 3 VVG). Als hauptberuflich Selbstständiger bist du zwar nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig (§ 5 Abs. 5 SGB V), aber die Pflicht, überhaupt versichert zu sein, bleibt bestehen.
Gesetzlich oder privat — was ist für Selbstständige besser?
Es hängt an Einkommen, Alter, Gesundheitszustand und Familie. Der gesetzliche Beitrag richtet sich nach dem Einkommen und erlaubt die beitragsfreie Familienversicherung; der private nach Alter und Tarif bei Vertragsschluss und sinkt in einem schwachen Jahr nicht. Entscheidend ist die Einbahnstraße: eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist als hauptberuflich Selbstständiger regelmäßig nicht möglich.
Ist eine Berufshaftpflicht für Freelancer Pflicht?
Nur für bestimmte Berufe, denen das Berufsrecht sie vorschreibt — etwa Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten und Heilberufe. Für alle anderen kommt die Anforderung aus dem Rahmenvertrag des Auftraggebers, der oft einen Nachweis vor der ersten Rechnung verlangt.
Habe ich als Selbstständiger Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente?
Nur unter Voraussetzungen, die viele Selbstständige verlieren: neben der allgemeinen Wartezeit von 5 Jahren sind 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung erforderlich (§ 43 SGB VI). Wer keine Pflichtbeiträge mehr zahlt, verliert den Anspruch, ohne darüber informiert zu werden.