Was verdient ein Freelancer netto?
Der Tagessatz ist ein Bruttobetrag. Hier steht, was davon ankommt.
Ein Tagessatz sagt fast nichts über das Einkommen. Zwischen ihm und dem, was auf dem Konto bleibt, stehen die Sozialversicherung, die du allein trägst, gegebenenfalls die Gewerbesteuer, und die Einkommensteuer. Diese Seite zeigt die Größenordnung; der Rechner zeigt deinen Fall.
Vom Tagessatz zum Netto
| Tagessatz | Umsatz im Jahr | Netto — freiberuflich | Netto — gewerblich | Quote |
|---|---|---|---|---|
| 400 € | 80.000 € | 48.964 € | 48.964 € | 61,2 % |
| 500 € | 100.000 € | 60.085 € | 60.601 € | 60,1 % |
| 600 € | 120.000 € | 70.686 € | 71.799 € | 58,9 % |
| 700 € | 140.000 € | 81.519 € | 82.633 € | 58,2 % |
| 800 € | 160.000 € | 92.657 € | 93.467 € | 57,9 % |
| 900 € | 180.000 € | 103.795 € | 104.633 € | 57,7 % |
| 1.000 € | 200.000 € | 114.933 € | 115.879 € | 57,5 % |
Annahmen, damit die Zahlen vergleichbar bleiben: 200 fakturierte Tage, 0 € Betriebsausgaben, gesetzliche Krankenversicherung ohne Krankengeldanspruch, keine Kinder, Grundtarif, Hebesatz 280 %. Kirchensteuer und familiäre Freibeträge sind nicht berücksichtigt. Jede dieser Annahmen verschiebt das Ergebnis — deshalb ist die Tabelle eine Größenordnung und keine Auskunft.
Die Zahl, auf die es ankommt, ist die letzte Spalte. Nicht der Tagessatz, sondern die Quote: der Anteil des Umsatzes, der bei dir bleibt. Sie fällt mit steigendem Umsatz, weil die Einkommensteuer progressiv ist — die Sozialabgaben dagegen sind ab der Beitragsbemessungsgrenze von 69.750 € gedeckelt. Ein höherer Tagessatz bringt also weniger zusätzlich, als er verspricht, und trotzdem immer mehr als keiner.
Warum in der Tabelle die gewerbliche Spalte teils höher steht
Das ist kein Fehler, und es ist auch kein Argument für ein Gewerbe. Es ist die Folge zweier Mechanismen, die die Gewerbesteuer dämpfen: ein Freibetrag von 24.500 € für natürliche Personen, und die Anrechnung auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG in Höhe des Vierfachen des Steuermessbetrags, höchstens jedoch der tatsächlich gezahlten Gewerbesteuer.
Die Tabelle rechnet mit dem Hebesatz von 280 % — dem Satz, der greift, wenn eine Gemeinde keinen eigenen festgesetzt hat. Bei diesem Wert deckt die Anrechnung die Gewerbesteuer vollständig: sie kostet nichts, sie verschiebt nur Geld zwischen zwei Kassen. Und weil der Solidaritätszuschlag auf der gekürzten Einkommensteuer bemessen wird, fällt er dann etwas niedriger aus — daher der kleine Vorsprung.
Bei deinem Hebesatz kehrt sich das Vorzeichen wahrscheinlich um. 280 % ist ein Mindestwert, kein üblicher: die meisten Städte liegen deutlich darüber, und oberhalb des Punktes, an dem die Gewerbesteuer die Anrechnung übersteigt, kostet jeder weitere Prozentpunkt echtes Geld. Die Tabelle sagt also nicht, dass gewerblich besser ist — sie sagt, dass es an deiner Gemeinde hängt. Hebesatz deiner Gemeinde nachschlagen, dann damit rechnen.
Ohnehin entscheidet die Einordnung über etwas Handfesteres als ein paar Prozentpunkte: über die Buchführung. Freiberufler bleiben unabhängig von der Höhe bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
→ Zu welcher Gruppe gehörst du? · → Wie die EÜR funktioniert
Was in dieser Rechnung nicht vorkommt
- Die Umsatzsteuer. Die 19 % sind ein durchlaufender Posten, nie dein Geld — sie tauchen in keiner Zeile auf, und das ist richtig so.
- Nicht fakturierte Tage. Die Tabelle rechnet mit 200 Tagen. Wer 160 erreicht, verdient bei gleichem Satz ein Fünftel weniger — und niemand merkt es an der Rechnung.
- Der Ausfall. Kein Lohnfortzahlungsanspruch, kein bezahlter Urlaub. → Was bei Krankheit passiert
- Die Altersvorsorge, wenn du keine Pflichtbeiträge zahlst: sie fehlt in der Rechnung und im Ergebnis. → Altersvorsorge
Der Vergleich mit einem Gehalt geht meistens schief. Ein Angestellter sieht seinen Arbeitgeberanteil nicht, hat bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung und Rentenpunkte. Ein Tagessatz mal Arbeitstage neben ein Bruttogehalt zu stellen, vergleicht zwei Zahlen, die nicht dasselbe enthalten. Die ehrliche Rechnung geht in die andere Richtung: welchen Tagessatz braucht es, um ein bestimmtes Gehalt zu erreichen.
Stand: 21.08.2026. Berechnet mit demselben Modell wie der Rechner, aus Beitragssätzen und Tarifwerten, die an ihren amtlichen Quellen geprüft sind. Keine Steuerberatung.