Steuerschulden stunden

Ein Aufschub ist möglich — aber er ist ein Kredit, und kein günstiger.

Die Nachzahlung kommt selten zum passenden Moment. Das Finanzamt kann die Fälligkeit hinausschieben — das nennt sich Stundung, und es ist ein Anspruch auf Ermessen, kein Recht. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, und beide zugleich.

Die zwei Bedingungen des § 222 AO

Erhebliche Härte Die Einziehung bei Fälligkeit müsste für dich eine erhebliche Härte bedeuten. Nicht: es wäre unangenehm. Gemeint ist ein ernsthafter Eingriff in deine wirtschaftliche Existenz.
Anspruch nicht gefährdet Die Forderung darf durch den Aufschub nicht gefährdet erscheinen. Anders gesagt: das Finanzamt muss glauben, dass es sein Geld später bekommt.

Die zweite Bedingung ist die, an der Anträge scheitern. Wer den Aufschub damit begründet, dass die Lage aussichtslos sei, liefert selbst das Argument für die Ablehnung. Ein Stundungsantrag ist keine Insolvenzanzeige : er muss zeigen, wovon die Schuld später bezahlt wird — ein Auftrag, eine Zahlung, ein Termin.

Das Gesetz sieht außerdem vor, dass die Stundung in der Regel nur auf Antrag und gegen Sicherheitsleistung gewährt wird (§ 222 AO). In der Praxis wird bei kleineren Beträgen darauf oft verzichtet — verlassen sollte man sich darauf nicht.

Was eine Stundung kostet — und die Zahl, die überrascht

Gestundet wird nicht gratis. Es fallen Stundungszinsen an:

ZinsartSatz je Monatentspricht im JahrGrundlage
Stundungszinsen 0,5 % 6 % § 234 AO
Nachzahlungszinsen 0,15 % 1,8 % § 233a AO

Der Aufschub, den du beantragst, ist also mehr als dreimal so teuer wie der Zinssatz, der bei einer verspäteten Festsetzung greift. Beide stehen im selben § 238 AO, und sie werden regelmäßig verwechselt.

Die Rechnung, die vor dem Antrag kommt. Bei 6 % im Jahr ist eine Stundung teurer als mancher Kontokorrentkredit und deutlich teurer als ein Ratenkredit. Bevor du sie beantragst, lohnt der Vergleich — nicht aus Prinzip, sondern weil es dieselbe Frage ist: wo leihe ich mir das Geld für drei Monate? Was von deinem Tagessatz übrig bleibt hilft, die nächste Nachzahlung gar nicht erst zur Frage werden zu lassen.

Was in den Antrag gehört

Es gibt kein Formular. Ein Stundungsantrag ist ein Schreiben, und seine Qualität entscheidet — das Finanzamt übt Ermessen aus, es prüft nicht bloß Häkchen. Vier Angaben tragen ihn:

Der Zeitpunkt zählt. Ein Antrag, der vor der Fälligkeit gestellt wird, verhindert die Säumnis; einer danach räumt sie nicht mehr rückwirkend aus. Es sind dieselben Argumente, aber nicht dieselbe Wirkung.

Die beiden Varianten, die oft besser passen

Ratenzahlung. Eine Stundung muss nicht heißen, dass alles auf einen späteren Tag rutscht. Der Aufschub kann in Teilbeträge zerlegt werden — für eine Liquiditätslücke, die sich über Monate schließt, ist das oft realistischer, und es bedient die zweite Bedingung besser als ein einziger ferner Termin.

Vollstreckungsaufschub. Ist die Fälligkeit schon verstrichen, geht es nicht mehr um Stundung, sondern darum, die Beitreibung auszusetzen. Das ist ein anderer Antrag mit anderer Grundlage — und wer die beiden verwechselt, bekommt eine Ablehnung auf eine Frage, die er gar nicht stellen wollte.

Was sich nicht stunden lässt

Ausgenommen sind die Beträge, die du für einen anderen einbehalten oder vereinnahmt hast — allen voran die Lohnsteuer deiner Beschäftigten. Die Logik ist streng und nachvollziehbar: dieses Geld war nie deines. Es zu stunden hieße, dir einen Kredit auf fremdes Geld zu gewähren.

Die vereinnahmte Umsatzsteuer steht wirtschaftlich in derselben Reihe. Sie ist der häufigste Grund, aus dem eine Nachzahlung überhaupt zur Existenzfrage wird: sie ist auf dem Konto eingegangen, wurde als Guthaben gelesen und ausgegeben. → Wie die Voranmeldung funktioniert

Nicht zahlen ist keine Variante

Wer die Fälligkeit einfach verstreichen lässt, bekommt keinen Aufschub, sondern einen Säumniszuschlag nach § 240 AO — der zu den Zinsen hinzukommt, und dem irgendwann die Vollstreckung folgt. Der Unterschied zwischen einem gestellten und einem nicht gestellten Antrag ist nicht nur finanziell: er entscheidet darüber, ob das Finanzamt dich als jemanden behandelt, der seine Lage im Griff hat.

→ Fristen und Zuschläge im Überblick · → Vorauszahlungen herabsetzen lassen — oft der bessere Hebel, weil er vor der Schuld ansetzt.

Stand: 21.08.2026. Rechtsstand geprüft an den konsolidierten Texten von § 222, § 234 und § 238 AO. Keine Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Unter welchen Bedingungen wird eine Stundung gewährt?
Zwei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein (§ 222 AO): die Einziehung bei Fälligkeit müsste eine erhebliche Härte bedeuten, und der Anspruch darf durch die Stundung nicht gefährdet erscheinen. Das Gesetz sieht zudem vor, dass sie in der Regel nur auf Antrag und gegen Sicherheitsleistung gewährt wird.
Was kostet eine Stundung?
Stundungszinsen von 0,5 % je Monat, also 6 % im Jahr (§ 234 i. V. m. § 238 AO). Das ist mehr als das Dreifache der Nachzahlungszinsen von 0,15 % je Monat, die bei einer verspäteten Festsetzung greifen — beide Sätze stehen im selben Paragrafen und werden häufig verwechselt.
Kann ich die Umsatzsteuer oder die Lohnsteuer stunden lassen?
Beträge, die für einen anderen einbehalten oder vereinnahmt wurden — allen voran die Lohnsteuer der Beschäftigten — sind von der Stundung ausgenommen. Dieses Geld war nie deines; es zu stunden hieße, einen Kredit auf fremdes Geld zu gewähren.
Was passiert, wenn ich einfach nicht zahle?
Dann entsteht kein Aufschub, sondern ein Säumniszuschlag nach § 240 AO, der zu den Zinsen hinzukommt — und dem die Vollstreckung folgen kann. Ein gestellter Antrag zeigt dem Finanzamt außerdem, dass die Lage im Griff ist; ein Schweigen tut das Gegenteil.