Vermögensverwaltende GmbH
Zwei echte Vorteile, ein dauerhafter Preis — und eine Schwelle, unter der sich beides nicht lohnt.
Wenn aus dem Freelancing Rücklagen werden, kommt irgendwann die Frage: das Ersparte privat anlegen, oder über eine Gesellschaft? Die deutsche Antwort hängt an zwei Vorschriften, die selten zusammen erklärt werden — und an einer Kostenrechnung, die auf den Werbeseiten meistens fehlt.
Vorteil 1 — Beteiligungserträge bleiben fast unbesteuert
Erhält eine Kapitalgesellschaft Dividenden, bleiben diese bei der Ermittlung ihres Einkommens außer Ansatz. Dann aber greift § 8b Abs. 5 KStG: 5 % der Bezüge gelten pauschal als nichtabziehbare Betriebsausgaben. Wirtschaftlich bleiben also 95 % unbesteuert.
Der Unterschied zum verbreiteten Kurzsatz ist nicht akademisch. „95 % sind steuerfrei" klingt nach einem Abschlag; tatsächlich ist es eine Pauschale für Ausgaben. Wer tatsächlich Depotgebühren oder Zinsen zahlt, zieht sie deshalb nicht zusätzlich ab — die 5 % stehen an ihrer Stelle.
Die Bedingung, die viele übersehen. Für laufende Dividenden gilt die Freistellung nur ab einer Beteiligung von 10 % — und gemessen wird sie zu Beginn des Kalenderjahres (§ 8b Abs. 4 KStG). Wer im Juni aufstockt, ändert am laufenden Jahr nichts mehr. Für breit gestreute Wertpapierdepots — Streubesitz — greift die Freistellung bei Dividenden ohnehin nicht; sie zielt auf Beteiligungen, nicht auf ETF-Sparpläne.
Vorteil 2 — die erweiterte Kürzung bei Immobilien
Eine Gesellschaft, die ausschließlich eigenen Grundbesitz verwaltet und nutzt, kann auf Antrag den daraus erzielten Gewinn aus dem Gewerbeertrag herausrechnen (§ 9 Nr. 1 GewStG). Die Gewerbesteuer entfällt dann auf diesen Teil — bei den Hebesätzen deutscher Großstädte ist das der größere der beiden Hebel.
Das Wort ausschließlich ist der Haken. Die Vorschrift verzeiht wenig, und schon eine Nebentätigkeit kann die Kürzung für alles kippen. Das Gesetz nennt einige Toleranzen:
| Zulässig neben der Verwaltung | Grenze, gemessen an den Mieteinnahmen |
|---|---|
| Strom aus erneuerbaren Energien, Ladestationen | 20 % |
| Dienstleistungen an die Mieter | 5 % |
Wer daneben noch etwas anderes tut — Beratung, Handel, eine zweite Tätigkeit in derselben Gesellschaft — verliert die erweiterte Kürzung. Deshalb wird die operative Tätigkeit üblicherweise in einer anderen Gesellschaft gehalten, und deshalb kostet die Struktur.
Was die erweiterte Kürzung in Zahlen bedeutet
Die Gewerbesteuer ergibt sich aus der Steuermesszahl von 3,5 % multipliziert mit dem Hebesatz der Gemeinde. Beim gesetzlichen Mindesthebesatz von 280 % ergibt das eine Belastung von 9,8 % des Gewerbeertrags.
| Gewinn aus Vermietung | 50.000 € |
|---|---|
| Gewerbesteuer ohne erweiterte Kürzung | 4.900 € |
| Mit erweiterter Kürzung | 0 € |
Und das ist der Boden, nicht der Normalfall. Der hier gerechnete Hebesatz ist das gesetzliche Minimum; die Hebesätze deutscher Großstädte liegen deutlich darüber, teils beim Doppelten. Der Vorteil der erweiterten Kürzung wächst also mit der Gemeinde — und er ist der Grund, warum sich die Struktur bei Immobilien oft rechnet, wo sie es bei Wertpapieren nicht tut. → Der Hebesatz deiner Gemeinde
Was die Struktur wirklich kostet
Die Vorteile stehen einer Rechnung gegenüber, die jedes Jahr wiederkehrt:
- Gründung und Kapital. Mindeststammkapital 25.000 €, Notar, Handelsregister. Einmalig, aber nicht klein.
- Doppelte Buchführung und Jahresabschluss. Keine EÜR mehr — eine Bilanz, jedes Jahr, mit den Kosten für ihre Erstellung.
- Offenlegung. Die Zahlen der Gesellschaft werden veröffentlicht. Für manche ist das ein Detail, für andere ein Ausschlusskriterium.
- Zwei Ebenen bei der Entnahme. Was in der Gesellschaft günstig thesauriert wird, ist noch nicht bei dir. Der Weg ins Privatvermögen wird ein zweites Mal besteuert — der Vorteil liegt im Behalten, nicht im Ausschütten.
Die Frage vor allen anderen. Willst du das Geld in den nächsten Jahren ausgeben oder anlegen? Wer es braucht, zahlt bei der Entnahme drauf und hat die laufenden Kosten obendrein. Der Vorteil entsteht erst über Zeit und über Erträge, die in der Gesellschaft bleiben — nicht über eine Struktur an sich. Was von deinem Tagessatz übrig bleibt zeigt, wie viel überhaupt zum Anlegen da ist.
Wann die Frage sich lohnt — und wann nicht
Eher ja, wenn substanzielle Beträge dauerhaft angelegt bleiben, wenn Immobilien im Spiel sind und der lokale Hebesatz hoch ist, oder wenn eine Beteiligung von mindestens 10 % gehalten wird.
Eher nein, wenn das Vermögen breit gestreut in Wertpapieren liegt, wenn die Erträge ohnehin entnommen werden, oder wenn die jährlichen Fixkosten der Struktur in derselben Größenordnung liegen wie der erhoffte Vorteil. Das ist häufiger der Fall, als die Werbung für solche Modelle vermuten lässt.
→ GmbH oder Einzelunternehmen für die operative Tätigkeit · → Warum der Hebesatz deiner Gemeinde so viel ausmacht
Stand: 21.08.2026. Rechtsstand geprüft an den konsolidierten Texten von § 8b KStG und § 9 GewStG. Ob eine konkrete Struktur trägt, ist eine Frage der Gestaltung im Einzelfall. Keine Rechts- oder Steuerberatung.