Was Selbstständige wirklich zahlen

Kein Arbeitgeberanteil, kein Automatismus — und ein Mindestbeitrag, der auch bei wenig Einkommen fällig wird.

Der Unterschied zur Anstellung ist nicht der Satz, sondern wer ihn trägt. Als Angestellter teilst du dir die Beiträge mit dem Arbeitgeber; als Selbstständiger zahlst du beide Hälften. Und bei der Krankenversicherung kommt etwas hinzu, das die meisten nicht erwarten: eine Untergrenze.

Krankenversicherung: der Beitrag hat einen Boden

Der Beitrag bemisst sich am Einkommen — aber nicht unbegrenzt nach unten. Für freiwillig Versicherte gilt eine Mindestbemessungsgrundlage: je Kalendertag mindestens der 90. Teil der monatlichen Bezugsgröße (§ 240 Abs. 4 SGB V). Bei einer Bezugsgröße von 3.955,00 € ergibt das rund 1.318 € im Monat, auf die Beitrag fällig wird — auch wenn du weniger verdient hast.

Allgemeiner Beitragssatz (mit Krankengeld) 14,6 %
Ermäßigter Satz (ohne Krankengeld) 14 %
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %
Beitrag auf die Mindestbemessung ≈ 231 €/Monat
Beitragsbemessungsgrenze 5.812,50 €/Monat
Beitrag an der Obergrenze ≈ 1.017 €/Monat

Die Konsequenz für ein schwaches Jahr. Ein Angestellter mit halbem Gehalt zahlt halbe Beiträge. Ein Selbstständiger mit halbem Gewinn zahlt ab einem bestimmten Punkt denselben Beitrag wie zuvor, weil die Untergrenze greift. Genau deshalb trifft eine Auftragsflaute härter als eine Gehaltskürzung — die Fixkosten sinken nicht mit. → Was bei Krankheit passiert

Der ermäßigte Satz ist kein Schnäppchen. Er ist niedriger, weil er das Krankengeld ausschließt: du sparst 0,6 %, und stehst ohne Einkommensersatz da, wenn du länger ausfällst. Für jemanden ohne Rücklage ist das die teurere der beiden Optionen.

Vorläufig festgesetzt — und irgendwann nachberechnet

Die Kasse kennt deinen Gewinn nicht, wenn sie den Beitrag festsetzt. Sie stuft dich deshalb vorläufig ein, in aller Regel auf Grundlage deines letzten Einkommensteuerbescheids. Liegt der neue Bescheid vor, wird rückwirkend abgerechnet.

Das hat zwei Gesichter. Ein schlechtes Jahr bringt eine Erstattung — später. Ein gutes Jahr bringt eine Nachforderung, und sie kommt oft zeitgleich mit der Steuernachzahlung für dasselbe Jahr, weil beide auf denselben Bescheid warten. Zwei Rechnungen für einen einzigen guten Gewinn, zwei Jahre später.

Was das praktisch verlangt. Die Rücklage für ein gutes Jahr ist nicht nur die Einkommensteuer. Rechne die Sozialbeiträge dazu, und zwar auf die Differenz zwischen dem vorläufig veranlagten und dem tatsächlichen Gewinn. Wer nur für das Finanzamt zurücklegt, hat die Hälfte der Rechnung vergessen — und die Kasse stundet nicht so bereitwillig wie das Finanzamt. → Was beim Finanzamt möglich ist

Es gibt einen Hebel. Bricht dein Einkommen im laufenden Jahr ein, kannst du eine Anpassung der vorläufigen Festsetzung beantragen — du musst nicht auf den Bescheid warten. Das ist derselbe Reflex wie die Herabsetzung der Steuervorauszahlungen, und er wird ebenso selten genutzt.

Pflegeversicherung: der Zuschlag, der an den Kindern hängt

Der Satz liegt bei 3,6 %. Wer kinderlos ist, zahlt 0,6 % zusätzlich. Wer mehrere Kinder hat, zahlt weniger: 0,25 % Abschlag je Kind ab dem zweiten bis zum fünften, höchstens 1 % insgesamt.

Die Spanne zwischen einem Kinderlosen und einem Elternteil mit fünf Kindern beträgt damit 1,6 % Beitragssatz — bei sonst identischem Einkommen. Es ist die einzige Sozialversicherung, in der die Familiensituation den Satz selbst bewegt.

Rentenversicherung: meist freiwillig, und darin liegt die Falle

Die meisten Selbstständigen sind nicht rentenversicherungspflichtig — mit Ausnahmen, die ganze Berufsgruppen erfassen. Wer freiwillig einzahlt, kann zwischen Beträgen wählen:

Mindestbeitrag112,16 €/Monat
Halber Regelbeitrag367,82 €/Monat
Regelbeitrag735,63 €/Monat
Höchstbeitrag1.571,70 €/Monat

Beitragssatz 18,6 %. Die Falle liegt nicht in der Höhe, sondern in der Pflichtbeitragszeit: Ansprüche auf Erwerbsminderungsrente hängen an Pflichtbeiträgen, nicht an freiwilligen. Wer aus einer Anstellung kommt, erfüllt die Bedingung anfangs noch — und verliert sie unbemerkt, wenn die letzten Pflichtbeiträge zu lange zurückliegen. → Wann freiwillige oder Pflichtbeiträge sinnvoll sind

Arbeitslosenversicherung: nur auf Antrag, und mit Frist

Sie läuft nicht automatisch weiter. Wer aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in die Selbstständigkeit wechselt, kann sie auf Antrag fortführen — der Satz beträgt 2,6 %. Die Antragsfrist ist kurz und verfällt; danach ist der Weg zu. → Die Bedingungen im Detail

Was das für deinen Tagessatz heißt

Rechne die Beiträge nicht als Abzug vom Gewinn, sondern als Bestandteil deiner Kalkulation. Der Angestellte sieht auf seiner Abrechnung nur die halbe Miete; du zahlst beide Hälften und trägst zusätzlich das Risiko der Untergrenze in einem schwachen Jahr. Ein Tagessatz, der diese Posten nicht enthält, ist kein Tagessatz, sondern ein Bruttogehalt ohne Arbeitgeber. Was von deinem Tagessatz übrig bleibt rechnet mit denselben Werten wie diese Seite.

Stand: 21.08.2026. Sätze und Grenzen aus der Datenbank, jeweils an ihrer amtlichen Quelle geprüft. Die Beiträge in den Tabellen sind gerundete Größenordnungen — deine Kasse rechnet taggenau. Keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.

Häufige Fragen

Zahle ich als Selbstständiger auch Beiträge, wenn ich wenig verdiene?
Ja. Für freiwillig gesetzlich Versicherte gilt eine Mindestbemessungsgrundlage: je Kalendertag mindestens der 90. Teil der monatlichen Bezugsgröße (§ 240 Abs. 4 SGB V), also rund 1.318 € im Monat. Der Beitrag sinkt darunter nicht mehr mit dem Gewinn — anders als ein Gehalt, das anteilig fällt.
Was kostet die Krankenversicherung an der Obergrenze?
Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 5.812,50 € im Monat. Bei einem allgemeinen Satz von 14,6 % zuzüglich eines durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 % ergibt das rund 1.017 € monatlich. Darüber steigt der Beitrag nicht weiter.
Warum zahlen Kinderlose mehr in der Pflegeversicherung?
Der Satz beträgt 3,6 %; Kinderlose zahlen 0,6 % zusätzlich. Umgekehrt sinkt der Beitrag um 0,25 % je Kind ab dem zweiten bis zum fünften, höchstens um 1 %. Zwischen einem Kinderlosen und einem Elternteil mit fünf Kindern liegen damit 1,6 % Beitragssatz.
Lohnt sich der ermäßigte Krankenkassenbeitrag?
Er spart 0,6 %, schließt dafür das Krankengeld aus. Wer ohne Rücklage arbeitet, steht bei längerem Ausfall ohne Einkommensersatz da — für den ist es die teurere der beiden Optionen.
Muss ich in die Rentenversicherung einzahlen?
Die meisten Selbstständigen nicht, einige Berufsgruppen schon. Freiwillig kann zwischen 112,16 € und 1.571,70 € monatlich gewählt werden. Entscheidend ist weniger die Höhe als die Art: Ansprüche auf Erwerbsminderungsrente hängen an Pflichtbeiträgen, nicht an freiwilligen.